Von Rutooro, Chapati und Petnames

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Die Zeit geht hier wider erwartend sehr schnell vorüber, fast zu schnell.

Denn, wie man sieht, finde ich noch nicht einmal die Zeit, mich regelmäßig auf dem Blog zu melden. Je länger ich aber keine Texte veröffentliche, desto mehr gibt es über das Erlebte zu berichten. 😉

Schon ganze zwei Monat ist meine Ankunft am Flughafen von Entebbe mittlerweile her.
Zwei Monate mit viieelen vielen Eindrücken, Erlebnissen und Bekanntschaften.

In der vergangenen Zeit habe ich einiges gelernt und nun merke ich auch, wie allmählich der Alltag beginnt. So langsam gewöhne ich mich an das Leben hier in Fort Portal und an seine Menschen, ihre Kultur und das Essen -ja sogar an das Wetter mit seinem ständigen Umschwung von erdrückender Hitze und Sonnenschein auf endlos erscheinende Regenfälle und plötzlich auftauchende eiskalte Winde scheint sich mein Körper nun endlich zu gewöhnen.

Momentan sitzen wir nämlich mitten in der „kleinen“ Regenzeit FoPos, die voraussichtlich bis Ende November gehen soll.

Wie dann allerdings die große Regenzeit von März bis Mai aussieht, möchte ich mir im Moment nicht vorstellen. Denn schon jetzt schüttet es hier teilweise ganze Flüsse herunter und man kann, selbst bei dem schönsten Wetter, den höchsten Temperaturen und noch so wolkenlosem blauem Himmel, nicht ohne Regenjacke um die Hüfte gebunden hinaus gehen.

Und trotzdem, das Wetter betreffend, bin ich wirklich froh, in FoPo und nicht in Kampala wohnen zu dürfen. Kurz nachdem ich meinen ersten Beitrag aus Uganda geschrieben habe, war ich nämlich für einen kurzen Abstecher erneut in der Hauptstadt. Nicht etwa, weil ich das Chaos dort vermisst hätte, sondern um endlich meine Arbeitsgenehmigung abzuholen.

Es trifft einen jedes Mal der Schlag, wenn man in Kampala ankommt und von den vielen Menschen, dem chaotischen Verkehr und der abartigen Hitze überrollt wird.

Auch die Sprache in Kampala hört sich für meine Ohren ganz schön kompliziert an. Die ugandische Amtssprache ist Swahili und Englisch. Deshalb habe ich mich auch darauf eingestellt, Swahili lernen zu müssen und war fest davon überzeugt, mit meinem Swahili-Lern-und-Wörterbuch klar im Vorteil zu liegen.

-Von wegen Banane!

In ganz Uganda spricht man nämlich 43 verschiedene Sprachen. Nicht einmal in Kampala wird sich auf Swahili verständigt. Zwar gibt es einige Ugander, die diese Sprache, die vor allem aber in Tansania und Kenia gesprochen wird, beherrschen, allerdings kommt man mit Swahili in FoPo überhaupt nicht weit.

Hier spricht man nämlich Rutooro. Ab Anfang Oktober nehme ich nun aber mit den anderen Freiwilligen zusammen zweimal in der Woche einen Sprachkurs und kann jetzt begrüßen und mich ausführlich vorstellen.

Apropos Banane: Nach den ersten zwei Monaten hängt sie mir allmählich ganz wortwörtlich zum Hals heraus. 😀
Paulina und ich ernähren uns nämlich täglich fast ausschließlich von Bananen und Tomaten, weil die erstens sehr praktisch zum Zubereiten, aber auch einfach so zum zwischendurch Essen sind und man die zweitens auf dem Markt wirklich billig, in guter Qualität und in großen Mengen bekommt.

Bananen sind hier nämlich wie Äpfel in Deutschland, nur noch krasser.

Man macht wirklich ALLES mit Bananen. Da gibt es Bananenkuchen (den haben Paulina und ich vor ein paar Tagen ganz stolz ohne Backofen in einer Pfanne versucht zu backen), Bananen-Drink, Matoke (das ist die Kochbanane), Bananen-Pancake, Rührei mit Banane, Banenbrot und Bananen-Chapati.
Chapati ist ähnlich wie Pfannkuchen, nur schmeckt es noch etwas besser. Meistens isst man es mit Ei und Tomate, dann heißt es ‚Rolex‘ (das kommt von „rolled eggs“), aber man kann es auch einfach so und zu jeder Tageszeit super essen.

Was mir hier leider ein bisschen fehlt, ist Käse und gute Schokolade.
Dafür gibt es auf dem Markt alles, wovon man in Deutschland nur träumen kann.
Von Ananas über Passionsfrucht bis hin zu Avocados findet man auf den Fort Portler Märkten wirklich alles -und alles echt spott billig.
Ihr könnt Euch also vorstellen, wie abartig gesund ich mich hier ernähre.

Was ich oben genannt mit „wortwörtlich“ meinte, hat mit meinen momentanen Magenbeschwerden zu tun. Dem Essen hier gegenüber bin ich nämlich sehr offen -manchmal vielleicht etwas zu offen…

Auf der Arbeit gibt es jeden Tag das Gleiche: Poscho mit Bohnen.
Poscho ist Maispulver mit Wasser angerührt.
Zum Glück habe ich zu Mittagszeiten immer einen so riesigen Hunger, dass mir das einseitige Essen (bis jetzt) überhaupt nichts ausmacht.

Mein eigentlicher Mentor Tadeo, der für einen Monat auf Geschäftsreise in Österreich war, ist nun endlich da. Deshalb habe ich, nach dem ersten Aufeinandertreffen und Kennenlernen, ein paar Aufgaben von ihm bekommen, denen ich künftig nachgehen werde. Beispielsweise bin ich für die Web- und Facebook-Seite von YAWE mit!-verantwortlich und darf da gerne auch mal ein paar Texte und Bilder posten.

YAWE führt jede Woche Life Skills Trainings für Kinder und Jugendliche durch. An diesen Trainings werde ich mich in Zukunft auch beteiligen und Vorträge zu verschiedenen Themen vorbereiten. Darauf freue ich mich besonders!
Ansonsten werde ich weiterhin wöchentlich mit unserem Arzt diverse Krankenhausbesuche und Impfungen im Feld unternehmen und mit unserem Physiotherapeuten unsere zu betreuenden Kinder besuchen.

Ich habe außerdem von meinen Arbeitskollegen bei YAWE einen eigenen ‚Petname‘ bekommen.
Jetzt begrüßt man mich dort nicht mehr mit einem „Hi Anika, how are you?“, wie eben jeder umherirrende Muzungu angesprochen wird. Nun bekomme ich jeden Morgen ein „Oli ota Abwooli?“ zur Begrüßung und antworte dann ganz stolz „Kurungi, oli ota?“.

Petnames gibt es nur hier in Fort Portal und auch in Kasese. Sonst ist diese kulturelle Eigenheit aber nicht sehr verbreitet in Uganda.

Mein Petname ‚Abwooli‘ bedeutet übersetzt ‚Pussy Cat‘ und steht nach Angaben meiner Kollegen für die Weiblichkeit, Intelligenz und Neugierde. 🙂 Hihi

Wenn ich abends nach einem meistens ziemlich anstrengenden und erlebnisreichen Arbeitstag gegen halb sechs nach Hause komme, bin ich immer sehr müde und würde mich am Liebsten erstmal kurz hinlegen und mich dann ein bisschen ans (noch fehlende) Klavier setzen -so, wie ich das nunmal nach jedem normalen Schultag in Offenburg getan habe.

Allerdings müssen wir hier fast jeden Tag nach der Arbeit, bevor wir etwas anderes machen, erstmal neu einkaufen gehen, da wir ja keinen Kühlschrank besitzen und somit nicht groß auf Vorrat einkaufen können. Das Kochen an sich dauert auch immer etwas länger, als von Zuhause gewohnt, da wir aus gesundheitlichen Gründen alles dreifach waschen (mit dem Leitungswasser, das wir nicht trinken können) und dann noch alles, was geht, schälen.

Letztens haben Paulina und ich uns endlich einen Wasserkocher angelegt und müssen nun nicht immer das Wasser auf unserem Gasherd kochen, bevor wir es in unseren Wasserfilter kippen.

Nachdem wir gegessen und gespült haben, gilt es dann meistens noch die hinzugekommenen Kakerlaken vom Tag aus dem Haus zu fischen und grob den Staub und Schlamm, der durch Schuhe, Klamotten und Haare ins Haus gekommen ist, zu beseitigen.
Außerdem bekommt hier der Satz: „Mama, ich kann meine Wäsche auch selbst waschen.“ eine ganz andere Bedeutung… 😉

Da ist man dann doch mal ganz froh, wenn sich das Wochenende nähert.

Ich fühle mich manchmal schon ganz alt, wenn ich Freitagabend mal nicht mit auf “ein“ Bier in die Stadt möchte, sondern mich lieber mit Tee und Ananas vor ein Buch setze und früh ins Bett gehe.

So, nun komme ich mit diesem doch wieder sehr lang gewordenen Blogbeitrag zum Ende und wünsche Euch in Deutschland erholsame Herbstferien und ein paar Sonnenstrahlen, die sich mal zwischen den Regenwolken blicken lassen. 😉

 

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3 Comment

  1. Sylke Rhein says: Antworten

    Liebe Ani, Schokolade und Wärmflasche sind unterwegs! Waschmaschine hat leider nicht mehr ins Päckchen gepasst.
    Wir sind wieder von deinem Blogeinrag begeistert und denken viel an unsere Abwooli
    Mama & Lisi

  2. Marianne Rhein says: Antworten

    Liebe ANI, beim Lesen von Deinem neuen Blog können wir Dein Leben in FoPo nachempfinden – es ist alles spannend beschrieben – wie ein modernes Tagebuch. Auch die vielen Fotos sind wunderschön und beeindruckend.
    Wir versuchen über Post-Box YAWE einen süßen Adventsgruß zu schicken.
    Liebe Grüße, wir umarmen Dich Kuß Oma und Opa.

    1. Ani says: Antworten

      Liebe Oma, lieber Opa,
      das freut mich, dass euch mein Blog so gut gefällt.
      Der süße Adventsgruß ist, wie ihr ja wisst, bereits angekommen.
      Vielen Dank dafür, ich habe mich wirklich ganz arg darüber gefreut.
      Gaaanz viele liebe Grüße an euch zurück, umarme euch.
      Kuss, Ani

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